Jaarverslag 2021

16 Jaarverslag 2021 Van Gogh Sites Foundation Persbewerking: ondanks alle beperkingen en de terughoudendheid van de buitenlands media, hebben er dankzij de inzet van VisitBrabant toch enkele persbezoeken plaatsgevonden. Een selectie van de verschenen publicaties is in dit jaarverslag opgenomen. Da kommt der Irre“, raunten sich die Einwohner von Nuenen zu, wenn sie ihm begegneten. Wortkarg, mit wirrem Rothaar und Sommersprossengesicht unter dem Filzhut, hatte er stets einen Rucksack mit Malutensilien geschultert. Der Sonderling war unterwegs, um in düsteren Farben Häuser und Landschaften zu malen. Porträtieren wollte er Bauern, Mägde, Hirten, Torfstecher und Weber dieser seinerzeit bettelarmen Gegend in der heutigen niederländischen Provinz Nordbrabant. VON ROB KIEFFER Heute würde Vincent van Gogh in Nuenen keiner mehr als verrückt bezeichnen – im Gegenteil. Eher wird ihm wie einer Art Popstar gehuldigt. Sein Porträt starrt einem in den Souvenirshops von Keksdosen, Kühlschrankmagneten und Sofakissen entgegen. Seine legendären Sonnenblumen, Sternenhimmel und Kornfelder zieren Grillschürzen und andere Gebrauchsutensilien. Eines seiner berühmtesten Bilder, die in Nuenen entstandenen „Kartoffelesser“, hat man als Skulpturen-Ensemble nachgebildet und im Stadtpark installiert. Auf dem Dorfplatz steht eine Bronzefigur des Künstlers, der zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Von 1883 bis 1885 arbeitete der Maler in Nuenen; im Museum Vincentre lässt man diese Zeit audiovisuell wieder aufleben. Man hört das Klappern von Webstühlen, das Mahlen von Mühlrädern und das Läuten von Glocken. Von alten, nunmehr computeranimierten Fotos der Van-Gogh-Familie blicken Besuchern ernste Gesichter entgegen – darunter der strenge Vater Theodorus van Gogh, der protestantischer Pastor war. Van Gogh war das älteste von sechs Kindern und das schwarze Schaf der Familie. Keiner seiner beruflichen Gehversuche sollte gelingen, weder als Hilfslehrer in England, noch als Kunsthändler in Paris oder Laienprediger im belgischen Kohlerevier. Und auch sein Traum vom Künstlerleben war getrübt von Absinth-Abstürzen, gescheiterten Amouren, Krach mit der Familie und chronischer Geldknappheit. Zeitlebens soll er nur ein einziges Bild verkaufen, heute erreichen die meisten seiner Werke astronomische Preise in zigfacher Millionenhöhe. Wir beschließen, die Welt van Goghs auf typisch niederländische Art zu entdecken und leihen in Nuenen ein Fiets, eines jener klapprigen, aber unverwüstlichen Hollandräder im Retro-Look. Wir starten auf einer Teilstrecke der insgesamt 435 Kilometer langen Van-Gogh-Fietsroute, die die Van-Gogh-Schauplätze in Brabant miteinander verbindet. Erste Station ist das alte Pfarrhaus im puppenstubenhaften Dorfzentrum, wo van Gogh bei seinen Eltern wohnte. In der Wäschekammer im Anbau hatte er ein Atelier improvisiert. Im Pfarrgarten kann man die Perspektive des Künstlers einnehmen, indem man sich dort postiert, von wo aus Vincent mehrere Darstellungen mit Blick auf den Teich und die Clemens-Kirche anfertigte. Nuenen war eine fruchtbare Zeit für den Künstler. Hier entstand ein Viertel seines etwa 2000 Zeichnungen und Gemälde zählenden Gesamtwerkes. Doch das Zusammenleben mit den Eltern, die seine Künstlerambitionen und seine Bohème-Existenz missbilligten, war alles andere als harmonisch. In einem Brief an seinen Bruder Theo, einziger Vertrauter, beklagte sich Vincent: „Sie fürchten, mich im Hause aufzunehmen, als gelte es, einen großen räudigen Hund zu Hause zu haben. Der Hund bedauert nur, dass er nicht fortgeblieben ist, denn es war nicht so einsam auf der Heide wie in diesem Haus.“ Vincent tröstete sich, indem er ein Verhältnis mit der Nachbarstochter Margot Begemann begann. Im Vorgarten des Hauses namens Nune Ville steht eine Büste der jungen Dame, die sich nach einem missglückten Selbstmordversuch vom Maler trennte. Vorher, in trauten Zeiten, hatte sie van Gogh oft auf Motivsuche begleitet. Auf diesen Spuren geht es mit dem Rad ins Umland. Wie in einem Freiluftmuseum gibt es Naturplätze und Bauten zu entdecken, die Vincent verewigte. Der Weg führt durch das Naturschutzgebiet Het Broek mit seinem sumpfigen Grasland, seinen Pappeln und Erlen. Hier sammelte van Gogh Vogelnester, die er in seinen Stillleben darstellte. Unterwegs warten Gebäude, die zu Motiven wurden: unter anderem die Windmühle De Roosdonck, die Coller Wassermühle oder die Wassermühle bei Opwetten, in deren urigem Restaurant man heute bei Bitterballen, das sind knusprige holländische Fleischkroketten, und hausgebrautem Watermolen-Bier eine Pause einlegen kann. Für ein besonderes Erlebnis auf der Van-Gogh-Radtour müssen die Radler warten, bis es zappenduster ist. Erst dann leuchtet ein 600 Meter langer Teil des Radweges zwischen Nuenen und Eindhoven in Farben und Figuren, die an das berühmte Gemälde „Sternennacht“, entstanden in der südfranzösischen Provence, erinnern sollen. Der niederländische Künstler Daan Roosegaarde entwarf diese befahrbare Hommage, indem er im Belag Tausende farbige Steinchen verarbeitete, die tagsüber das Licht speichern und nachts märchenhaft zu funkeln beginnen. Zundert ist eine weitere Etappe von van Goghs Leben und Wirken in seiner Heimatregion. Am Standort des alten Pfarrhauses, wo er 1853 geboren wurde, informiert das Vincent van GoghHuis über Kindheit und Jugend des Malers. In Zundert lebte er bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr. Als Sohn eines evangelischen Pfarrers war er in dem katholischen Dorf schon als Kind ein Außenseiter und wurde zu Hause unterrichtet. Im Garten hinter dem Museum erweckte seine Mutter in ihm die Leidenschaft für die Natur. In der protestantischen Kirche predigte sein Vater, und auf dem Friedhof liegt Vincents gleichnamiger Bruder begraben, der ein Jahr vor der Geburt des Malers starb. In der einstigen Küsterwohnung ist heute eine Künstlerresidenz mit Ausstellungsraum untergebracht. Das Städtchen Etten-Leur liegt 16 Kilometer entfernt. Auf dem Weg dorthin: gepflegte holländische Gärten, Verkaufstische mit Tomaten, Erdbeeren und Blaubeeren frisch vom Feld. Die Route führt auch durch das Naturschutzgebiet De Pannenhoef mit seinen renaturierten Mooren, in dem Vincent van Gogh in seinen frühen Jahren erste Natureindrücke auffing. In Etten-Leur, wo der Vater ein neues Pastorenamt angetreten hatte, hielt sich Vincent von April bis Dezember 1881 auf. Hier übte er sich erstmals als Künstler. Sein Aufenthalt ist in der niederländisch-reformierten Van-GoghKirche dokumentiert, wo neun bunte Fenster die Elemente seiner Zeichnungen zeigen, die er in Etten-Leur anfertigte, darunter von Ähren, Blumen, Ackerschollen und Kirchtürmen. Es waren hauptsächlich Skizzen, in denen er den kargen Alltag der Bauern und Handwerker festhielt. Hier entstand die erste Darstellung eines säenden Landarbeiters. Das Motiv entwickelte er später während seiner Provence-Periode zum farbintensiven, in den typischen Gelbtönen gehaltenen Ölgemälde „Sämann bei untergehender Sonne“ weiter. Für Van-Gogh-Fans dürfte ’s-Hertogenbosch ein Höhepunkt der Fährtensuche sein. Das dortige Noordbrabants Museum kann natürlich nicht mit dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam und dem Kröller-Müller Museum bei Arnheim mithalten, die die größten VanGogh-Sammlungen weltweit beherbergen. Doch das Haus zeigt immerhin ein Dutzend Originalwerke, davon fünf im Eigenbesitz. In einer neuen Abteilung erhält man einfühlsamen Einblick in die Brabanter Zeit des Meisters. Als Ouvertüre empfängt Besucher eine Filmprojektion von Brabant-Landschaften, die van Gogh lieb waren und die nun mit Gedichten von Marieke Lucas Rijneveld untermalt sind, die 2020 mit dem britischen Booker-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Und dann stehen wir ergriffen vor Originalgemälden, die Schauplätze zeigen, die wir auf unserer Radtour gesehen haben, etwa das alte Pfarrhaus in Nuenen oder die Coller Mühle bei Eindhoven. Das Museum verschweigt nicht das tragische Ende des Malergenies. Fotos zeigen die psychiatrische Anstalt in Saint-Rémy-de-Provence, in die sich van Gogh einwies, nachdem er sich nach einem Streit mit seinem Malerkollegen Paul Gauguin im Delirium ein Ohr abgeschnitten hatte (manche Historiker meinen, es sei ein Ohrläppchen gewesen). Am 27. Juli 1890 schoss er sich in Auvers-sur-Oise bei Paris in den Oberkörper und starb zwei Tage später. Er wurde nur 37 Jahre alt, ein kurzes Leben, aber ein ewiges Werk, das in Brabant seinen Anfang nahm. T Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Visit Brabant und dem Niederländischen Büro für Tourismus. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit Auf diesem Radweg in Nuenen bei Eindhoven funkeln auf 600 Metern Tausende in den Boden eingelassene fluoreszierende Elemente – als Hommage an van Goghs Gemälde „Sternennacht“ PICTURE ALLIANCE/DPA/PIM HENDRIKSEN DOT COM 435 Kilometer VAN GOGH Im niederländischen Nordbrabant malte Vincent van Gogh seine ersten Bilder. Demweltberühmten Künstler ist eine Radroute entlang der Schauplätze seines genialen frühen Schaffens gewidmet 4104.09.21 Samstag, 4. September 2021 DWBE-VP1 Belichterfreigabe: -Z: it: Belichter: Farbe: DW_Dir/DW/DWBE-VP1 04.09.21/1/Rei1 PPLATE 5% 25% 50% 75% 95% DIE WELT SAMSTAG, 4. SEPTEMBER 2021 SEITE 41 Auf der Insel Lošinj kurten schon die Habsburger Seiten 44/45 Kroatien REISEN ANZEIGE RadfahrenDas Van-Gogh-Radwegenetz ist 435 Kilometer lang und besteht aus zehn ausgeschilderten Teilstrecken. Routenbeschreibungen mit GPX-Daten zur Navigation auf dem Smartphone gibt es zum Herunterladen (vangoghbrabant.com). ÜbernachtungVan-GoghAtmosphäre im denkmalgeschützten alten Weberhäuschen „Kostershuisje“ in Nuenen, Doppelzimmer ab 150 Euro/ Nacht (kostershuisje.nl). Als „Home of Design“ glänzt in Eindhoven das in einer alten Kaserne und Feuerwehrwache untergebrachte „Kazerne“, mit angegliederter Kunstgalerie, Doppelzimmer ab 162 Euro (kazerne.com). Das Boutique-Hotel „‘t Keershuys“ liegt mitten im historischen Viertel von ’s-Hertogenbosch, Doppelzimmer ab 175 Euro (keershuys.nl) Auskunftvisitbrabant.com/de; holland.com Tipps und Informationen VGB_Baronie_452x284mm_1.indd 2-3 29-06-2021 14:00 Reizen Inhet spoor van VanGogh Met de naam Van Gogh lukt het ons al jaren om bezoekers van verder weg te verleiden naar Brabant te komen. Dat is van grote waarde voor de vrijetijdseconomie, maar dit verplicht ons ook om collectief te investeren om zijn erfgoed te beschermen, behouden en verder te ontwikkelen. Heleen Huisjes Directeur VisitBrabant

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